Aufarbeitung des OEZ-Attentats

Beim Parlamentarischen Frühstück konnten Abgeordnete sich ein Bild machen, wie die Arbeit der Respekt Coaches an Schulen wirkt.

IN VIA München e. V. in Berlin

Ein Workshop zu Fake News, Rollenspiele zum Thema Diskriminierung oder die künstlerische Auseinandersetzung mit den eigenen Werten: Beim Parlamentarischen Frühstück der Jugendmigrationsdienste (JMD) konnten Abgeordnete sich ein Bild machen, wie die Arbeit der Respekt Coaches an Schulen wirkt. Sie sicherten den JMD ihre Unterstützung für eine nachhaltige Finanzierung des Programms zu.

Demokratie für Schüler*innen erlebbar machen: Das ist ein Hauptziel des Programms JMD Respekt Coaches, das die Jugendmigrationsdienste seit fünf Jahren an Schulen umsetzen. Rund 600 Schulen an 270 Standorten in Deutschland sind beteiligt. Im letzten Jahr haben mehr als 150.000 Schüler*innen an von den Respekt Coaches organisierten Workshops, AGs und Projekten teilgenommen. Die Themen sind vielfältig und richten sich nach den Anliegen der Schulen: von Meinungsfreiheit und Mitgestaltung über den Umgang mit Konflikten und Vorurteilen bis zu Ausgrenzung, Rassismus oder Radikalisierung. So sollen Jugendliche gestärkt und der Zusammenhalt der Gesellschaft gestützt werden.

Das JMD-Programm Respekt Coaches trage dazu bei, „dass Schülerinnen und Schüler ein Gefühl dafür bekommen, welchen Unterschied sie mit ihrem eigenen Tun für die Gesellschaft machen können“, unterstrich Hakan Demir, Mitglied des Bundestags und Schirmpate des 3. Parlamentarischen Frühstücks der JMD im März 2023.

Wie die Respekt Coaches Demokratie erfahrbar machen, zeigten vier von ihnen beim Frühstück im Berliner Bundestag anhand von Beispielen aus ihrer Arbeit.

Fatma Zan (JMD IN VIA München) wählte für eine Workshop-Reihe ein Thema mit lokalem Bezug: Über ein Jahr lang bearbeitete sie mit zwei Jahrgängen die Vorkommnisse rund um den rassistischen Anschlag am Münchner Olympia-Einkaufszentrum von 2016. Sie engagierte verschiedene Träger der politischen Bildung, die mit den Jugendlichen Themenschwerpunkte bearbeiteten. Wie funktioniert Mobbing? Wie radikalisiert sich jemand? Wie werden Fake News verbreitet? Sie diskutierten verschiedene Handlungsoptionen mit Erfolg: Als auf TikTok wenig später ein vermeintlicher Amoklauf in Hamburg gemeldet wurde, erhielt Fatma Zan von einer Schülerin die Nachricht: „Ich habe es nicht weiterverbreitet, sondern auf seriöse Quellen gewartet.“ Im Gespräch mit der Angehörigen eines der Anschlagsopfer setzten sich die Jugendlichen mit deren Perspektive auseinander und zeigten sich voller Respekt.

Die JMD Respekt Coaches organisieren nicht nur einzelne Angebote, sondern wirken nachhaltig auf die Strukturen der Schule ein. Gemeinsam mit Lehrkräften, Schulleitung und Schüler*innen ermitteln sie deren Bedarfe und Anliegen und entwickeln ein Präventionskonzept. Dieses hält zum Beispiel fest, welche Angebote in welchem Jahrgang verankert werden sollen oder wie die Schule mit Diskriminierung umgeht.

Die Respekt Coaches tragen zur Entlastung der Lehrkräfte bei. Sie bringen Fachwissen und Erfahrung mit, kennen Träger der politischen Bildung und Extremismusprävention und können diese fachlich und methodisch beurteilen. Nicht zuletzt verfügen sie über ein Budget für diese externen Angebote.

Um weiterhin nachhaltig an den Schulen wirken zu können, ist laut den Trägerverbänden der Jugendmigrationsdienste eine langfristige Förderung des JMD-Programms Respekt Coaches notwendig. Erst im letzten Jahr zeigte sich, wie unsicher die Finanzierung derzeit ist: Dank dem gemeinsamen Einsatz von Abgeordneten und Verbänden konnte eine drastische Kürzung der Mittel im letzten Moment abgemildert werden. Eine Möglichkeit, das Programm dauerhaft im Bundeshaushalt zu verankern, sehen die Teilnehmenden des diesjährigen Frühstücks im Demokratiefördergesetz. 

Schirmpate Hakan Demir (MdB) sprach sich für eine kontinuierliche Förderung des JMD-Programms Respekt Coaches aus.

(gekürzter) Text und Bilder: Servicebüro Jugendmigrationsdienste